Haftstrafe für Hebamme und Ärztin

14.05.2016 20:48

Haftstrafe für Hebamme und Ärztin

Zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten wegen Totschlages hat der Bundesgerichtshof eine Ärztin und Hebamme verurteilt (4 StR 428/15) und damit das Urteil des Landesgerichts Dortmund von 2014 bestätigt. Sie hatte im Jahr 2008 in einem Hotel eine außerklinische Geburt aus Beckenendlage versucht, war dabei erst spät zu der Gebärenden gekommen, hatte die kindlichen Herztöne nicht überwacht und auch dann noch keine Einweisung in die Klinik veranlasst, als bereits zweimal Mekonium abgegangen war. Sie hatte den Eltern gegenüber die Risiken der Geburt verharmlost und sie nicht darüber aufgeklärt, dass nach den Richtlinien für Hebammen eine Beckenendlage wegen des erhöhten Komplikationsrisikos nicht außerklinisch entbunden werden sollte.

Erst als das Baby tot geboren war, holte der Vater einen Notarzt, der unmittelbar darauf die Polizei einschaltete.

Der Prozess ist über mehrere Jahre durch mehrere Instanzen gegangen; zahlreiche Anhängerinnen hatten die Ärztin, eine engagierte Verfechterin der Hausgeburt, über viele Prozesstage begleitet und für sie demonstriert. Das Landgericht Hamm hatte die Ärztin bereits im Jahr 2014 zu lebenslangem Berufsverbot und zu Schadens- und Schmerzensgeldzahlungen von knapp 50.000 Euro verurteilt.

Zum Urteil und zur Urteilsbegründung des Bundesgerichtshofes HIER.
Zum Urteil des Landgerichts Dortmund (2014) HIER.

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